Text

 

„Die 1961 in Zürcih geborene und heute in Reutlingen lebende Künstlerin Jacqueline Wanner ist die Urheberin unserer elften tisoware EDITION. Ihr Thema sind die vielfältigen Verflechtungen der individuellen Lebenswege und – strukturen, denen Sie in ihren Werken Gestalt gibt. Sehr häufig kombiniert Sie dazu in ihren Arbeiten haptische, sinnliche Materialien mit Farbbelägen in Malerei und Objekten. Dieses Vorgehen zeigt sich auch sinnbildhaft an der neuen Edition mit dem Titel „ Zeitlebens. Lebenszeit“ . Wanner gestaltet eine reduzierte Farbfläche, auf der Sie rot-weiß karierte Stoffkreise sowie weiß und schwarzweiß gefüllte Rechtecke verteilt. Die Beziehung zwischen diesen Flächen stellt ein Gummifaden her, der sich von links unten in die obere Mitte bewegt, am oberen Bildrand verschwindet und durch Kohle- sowie Pinselstriche gespiegelt wird. Auffallend ist, dass der Gummifaden je nach Lichteinfall einen Schatten wirft und dadurch eine zweite imaginäre Linie bildet.

So gesehen bietet sich eine Interpretation des schwarzen Fadens als Metapher für einen Ausschnitt aus unserer menschlichen Lebenszeit an: Ein klar definierter beginn mit unserer Geburt und ein Ende im Ungewissen, ein Blick auf die Jetztzeit. Die Kreisformen stehen dabei symbolhaft für das Kreisen der Zeit, die vielen noch vorhandenen Stunden werden von Wanner durch rote Fäden symbolisiert. Nicht zufällig wurde dazu von Jacqueline Wanner das Material Gummi ausgewählt: so wie Gummi als Elastomer der physikalischen Dehnbarkeit unterliegt, so richtet sich auch unser emotionales Empfinden von Zeit zu Zeit nach einer inneren Dehnbarkeit. Zeiten des ruhigen Verlaufs wechseln ab mit schneller rotierenden Abschnitten – im Bild sichtbar gemacht durch die kleinen Kreise und die rotierenden Graphitspuren. Gesucht wird immer der eine Ursprung des Weges. Das Leben selbst.“

Aus tisoware ZEITUNG 2009

 


 

„[…] Für Jacqueline Wanner dient Farbe und Malerisches dagegen meist nur als Mittler für die Zeichnung. Ihre Arbeiten auf Leinwand sind häufig mit Fäden durchzogen. Durch diese direkte Kommunikation von Farbe und Linie entsteht Spannung, Emotion. Anstelle von Farbe und Form treten stellenweise Textilien, die sich collagenartig ins Bild einfügen. Ihre Kompositionen sind scheinbar verwundet, gebrochen, es scheint sich eine Spur herauszuschälen, die endgültig festgehalten wird und doch bewusste Momentaufnahme bleibt.“

 

Auszug aus einem Artikel über die Ateliers der alten Spinnerei / Wannweil aus dem Magazin Topp,2009